Freyburg/Unstrut: Neuenburg

Das Schloss Neuenburg war die wichtigste Nebenresidenz des Fürsten. Durch regelmäßige Herbstaufenthalte seit dem Jahr 1658 etablierte August dort die höfische Jagd. Es kam damit zu einem besonderen Dualismus: Der erzstiftischen Residenz in Halle war im erbländischen Gebiet ein regelmäßig aufgesuchtes Jagdschloss beigestellt. Nichts kennzeichnet die besondere Struktur dieser Landesherrschaft deutlicher.

Die durch August vorgegebene höfische Nutzung des Schlosses führten dessen Erben von Weißenfels aus bis zum Jahr 1746 fort, anschließend dann der Dresdner Hof unter Kurfürst Friedrich August II. bis zum Beginn des Siebenjähriges Krieges 1756. Das reizvoll über dem Unstruttal gelegene Schloss geht auf eine unter Ludwig dem Springer Ende des 11. Jahrhunderts errichtete Talrandburg zurück. Im 12. und 13. Jahrhundert war die Burg neben der Wartburg bei Eisenach und der Runneburg in Weißensee wichtigster Aufenthaltsort der Landgrafen von Thüringen. Als bedeutendster Bauteil aus dieser Zeit ist die romanische Doppelkapelle erhalten. Diese folgt einem Bautypus, für den es etwa mit der Kapelle St. Crucis in Landsberg bei Halle oder der Kapelle auf der Burg Lohra/Hainleite nur wenige regionale Vergleichsbeispiele gibt. Nach dem Aussterben der Ludowinger kam die Anlage in den Besitz der wettinischen Markgrafen von Meißen. Nach einem starken Bedeutungsverlust setzte unter Herzog Wilhelm III. von Sachsen (1445-1482) eine erneute Bautätigkeit ein. Kurfürst August von Sachsen ließ die Anlage in der Mitte des 16. Jahrhunderts zu einem Jagdschloss umbauen, eine Funktion, die Herzog August schließlich reaktivierte. Das Erscheinungsbild des Schlosses prägen bis heute die Umbauten unter den Herzögen von Sachsen-Weißenfels und unter Kurfürst Friedrich August II. Nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges wurden zum einen die Hofflächen neu gestaltet und der Ausbau des 104 m tiefen Brunnens betrieben. Zeugnis barocker Gestaltung legen zum anderen vor allem der Bereich der Galerieflügel und der Fürstenbau ab. Im Fürstenbau wurde ab 1675 der Fürstensaal als wichtigster Repräsentationsraum ausgestaltet. Auch die als Schlosskirche genutzte Doppelkapelle erfuhr durch die erneuerte Nutzung Veränderungen.