Aktuelle Neuerwebungen
Inge Rambow
Lunar Baedeker Buna, 1994-95
Cibachrome
Verbunden mit einer Schenkung der Künstlerin
Die chemische Fabrik Buna, 1936 zwischen Halle und Merseburg zur Gewinnung von Öl und Benzin aus Braunkohle erbaut, sollte Deutschland seinerzeit unabhängig vom Weltmarkt machen. Seit ihrer Gründung bis 1990 wurden auf einer riesigen Deponie die Ausflüsse der chemischen Produktion abgelagert, zu denen sich auch Reste der Konsumkultur gesellten.
Fotos von dieser Deponie bilden den Kern des über mehrere Jahre fortgeführten Projektes „Wüstungen“. Inge Rambow protokolliert Landschaft fotografisch als Formation der Geschichte, die in die Gegenwart hinein wirkt. Die Struktur von „Lunar Baedeker Buna“ folgt der Annäherung und dem Besteigen der Deponie bis zu ihrem Plateau. Schicht um Schicht zutage tretend, wird die Deponie zur Metapher für die Tiefe der Zeit und ihre Verwandlung in Erinnerung. Die Bilder wurden mit einer Panoramakamera in vollem Format fotografiert – ohne Ausschnitt oder nachträgliche Bearbeitung. Mit ihrer Mehrdeutigkeit bei zugleich präziser Beschreibung hinterfragt und radikalisiert Inge Rambow auch die heutige Landschaftsfotografie.
Jorinde Voigt
Akustisches Feld VI (Rhythmische Studie: Deklination doppelte akustische Impulse; Volume in %; Dauer in Sekunden; Loop), 2008
Bleistift, Tinte auf Papier, 140 x 140 cm
Die junge Zeichnerin Jorinde Voigt untersucht in ihren großformatigen Arbeiten die Komplexität des medialen Zeitalters, in dem sich Phänomene aus verschiedenartigsten Sphären begegnen, überlagern und durchkreuzen. Parallel zu einer gleichzeitig erarbeiteten Performance geht sie in dieser Zeichnung von vier akustischen Parametern aus, deren systematische Veränderungen sie in clusterartigen Einheiten aufzeichnet. Diese Einheiten werden dann wiederum, ihrer dynamischen Bewegung folgend, notiert, so dass sie einander in kreisenden, netzwerkartigen Strukturen überlagern und durchdringen.
Ulrike Grossarth
16 moving things, 2005
Videobildtableau
Aktion, Kostüme und Mitarbeit: Andreas Kempe, Ulrike Kampmann, Anke Zeißig
Maße variabel
Das Werk von Ulrike Grossarth stellt die Frage nach der Präsenz des Körpers in raum-zeitlichen Prozessen. Die in einem Videotableau aufgezeichnete, in voller Länge 90 Minuten dauernde Aktion zeigt drei stille, als Könige zu deutende Gestalten, die in ununterbrochener, absichtsloser Bewegung ohne Kollisionen Gegenstände auf einem Podest vor sich verschieben. Diese Handlung beruht auf einem Zustand sich offen haltender Konzentration und gegenseitiger Achtsamkeit. Sie befreit sich aus der Hierarchie zielgerichteten Wollens. Geist und Körper werden zu einer Einheit, Zeit wird zu Gegenwart.
Hanns Schimanski
Ohne Titel, 2007
Faltung, Tusche, Gouache, Grafit, 93,5 x 125, 9 cm
Schenkung des Künstlers
Ohne Titel, 2007
Faltung, Tusche, Gouache, Kreide, 93 x 121 cm
Hanns Schimanski führt in seiner Arbeit einen permanenten Diskurs über Zeichnen als künstlerisches Handeln. In Reihen und Gruppen entstehen logisch und kontinuierlich voneinander hergeleitete Arbeiten. Die großformatigen Faltungen sind aus beidseitig eingestrichenen, in Längs- und Querrichtung eng gefalteten Bogen entstanden, die aufgefaltet mit abstrakten Formen versehen werden. Erneut, diesmal aber großflächiger gefaltet, werden sie von gezeichneten Linien durchzogen, bei denen der Stift eher langsam gerollt als direkt geführt wurde. Die gleichwertig bearbeiteten Seiten, die der Künstler als Vorder- und Rückseite definiert, rühren aus der Balance von gewollter Gestaltung und akzeptierter Zufallskonstellation her. In ihrer körperlich-plastischen Präsenz bewahren sie energetisch auch die unsichtbar gewordenen Bereiche. Die abstrakten Blätter werden in ihrer künstlerischen Selbständigkeit zu Parallelformationen von konkreten Strukturen, wie sie etwa Landschaftsbilder zeigen.
Astrid Klein
Nadeshda (Hoffnung), 1987
Silbergelatineabzug von collagiertem und bearbeitetem Negativ, 245 x 380 cm
Die großformatige Fotoarbeit der Malerin Astrid Klein unterläuft die an Fotografie gestellte Erwartung, die Zeit in einem Augenblick zu bannen. Aus ihrem unergründlichen, zeitlosen Bildraum treten fragmentarische Spuren hervor: Relikte von Natur, menschlicher Gestalt und Sprache, an ihren Rändern angefressen vom Dunkel. Jenseits der optischen und historischen Perspektive und Bedeutung entsteht ein Raum, in dem die Hoffnung (Nadeshda) menschlicher Existenz, die im Dunkel vergeht, zur nie verlöschenden Erinnerung geronnen ist.
Lyonel Feininger
Christus am Ölberg
Luxusausgabe der ersten Bauhausmappe mit Holzschnitten