das talamt und das 19. jahrhundert
Das so genannte "Talamt" ist ein freier Nachbau des historischen Amtsgebäudes der Hallenser Salzsieder im "Thal" am Hallmarkt, unterhalb des Halleschen Marktplatzes. Sein Vorbild wurde im 16. Jahrhundert errichtet und 1881 abgerissen. Doch zwei prunkvolle Zimmerausstattungen aus dem 16. Jahrhundert wurden eingelagert und in die als städtisches Museum 1904 errichtete Rekonstruktion eingebaut. In den historischen Zimmern, dem Gerichts- und Festzimmer, werden wechselnde Präsentationen historischen Kunsthandwerks, von dem die Stiftung Moritzburg eine bedeutende Sammlung besitzt, vorgestellt. Viele Bereiche der angewandten Kunst haben in Halle eine lange Tradition, die durch die Burg Giebichenstein - Hochschule für Kunst und Design lebendig in die Gegenwart fortgeführt wird.
In das Talamt gelangt man im Anschluss an die "Moderne Eins". Neben dem Kunstgewerbe wird hier Malerei und Skulptur aus der Zeit um 1900 gezeigt. Es ergeben sich ungewohnte Perspektivwechsel: Wer das 20. Jahrhundert in seinen zwei Ebenen passiert hat, gelangt in die historisierenden Räume, die in die anschließenden Wehrgänge und den monumentalen Kuppelsaal führen. Hier werden die Kunst der Romantik, des Biedermeiers, die Sezessionskunst und der deutsche Impressionismus vorgestellt. Man durchschreitet das 19. und frühe 20. Jahrhundert von seinem Ausklang bis zu seinen Quellen, die im weitesten Sinne auch die Quellen der Moderne sind. So schließen sich an die "Moderne Eins" herausragende Porträts von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Max Beckmann an, die ins Umfeld der "Sezessionen" gehören. Sie leiten über zu Hans von Marées, Carl Blechen, Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge, um bei den kostbaren Gemälden und Ölskizzen von Adolf Senff anzulangen, der in Halle reich wie nirgendwo anders vertreten ist. Auf dem Rückweg vom Talamt in den Westflügel kann die Kunstentwicklung der letzten 200 Jahre noch einmal chronologisch und in der Vielgestaltigkeit ihrer geistigen Verflechtungen erlebt werden.
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