münzen & medaillen
In einem kleineren Gewölbe im Anschluss an die beiden großen gotischen Hallen ist eine Präsentation aus dem Bestand des Landesmünzkabinetts zu sehen. Neben einem Überblick über die mittelalterliche und frühneuzeitliche Münzproduktion aus der Region sind kunstvolle italienische und deutsche Renaissance-Medaillen, mittelalterliche Schmuckkunst und eine Auswahl Siegel ausgestellt. Die Ausstellungsstücke geben einen anschaulichen Einblick in das kulturelle und wirtschaftliche Leben im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. So klein und unscheinbar sie erscheinen, ist mit vielen eine interessante Geschichte verbunden:
Erst 1930 wurde die wahrscheinlich erste hallesche Pfennigprägung aus den Jahren um 1100 durch einen Münzfund bekannt. In einem Tongefäß fanden sich sechshundert Pfennige, die Umschriften mit dem Namen der Stadt Halle und mit dem Namen Magdeburgs zeigen. Auf den halleschen Prägungen ist die Rechte Gottes mit der Fahne des Schutzpatrons des Erzstiftes Magdeburg, dem Heiligen Moritz, dargestellt. Die Umschrift lautet "OTTO HALLA". Der Name Otto dürfte sich auf Kaiser Otto I. beziehen, der als Stifter des Erzbistums das gesamte Mittelalter über lebendig verehrt wurde.
Ab 965 nahm das Moritzkloster in Magdeburg und dann das Erzstift das Münz- und Marktrecht in Halle war. Der Münzumlauf ist bereits um 935 belegt. Mit der Münzrechtsverleihung durch Otto III. an Erzbischof Giseler ist seit 987 eine erzbischöfliche Münzstätte auf der Burg Giebichenstein, dem Amtssitz der Erzbischöfe, tätig gewesen, die wahrscheinlich zwischen 1025 und 1050, aber sicher vor 1100 in die zwei Kilometer entfernte Stadt Halle verlegt wurde.
Ein sehr interessantes Objekt ist der jüdische Hochzeitsring, für den in Europa nur einzelne Vergleichstücke überliefert sind. Den einfachen Ringreif krönt eine gotische Kapelle mit Spitzbogenfenstern und Giebelschmuck. Diese beherbergt einen kleinen braunen Gegenstand, eventuell eine Reliquie oder ein einst wohlriechendes Gewürzstück. Auf die Dachflächen ist die hebräische Inschrift „Gut Glück“ graviert. Die Kapelle symbolisiert wahrscheinlich die Bundeslade oder den Tempel von Jerusalem. Die besondere Bedeutung dieser Ringe bei der jüdischen Eheschließung ist in Darstellungen mittelalterlicher Handschriften erkennbar. Ihre eigenwillige Form mit dem hausförmigem Aufsatz hat sich wie der Segenswunsch der Inschrift bis heute bei der jüdischen Verlobungsfeier erhalten.
Um 1528 fertigte Hans Hausmann (1499-1541), Münzmeister in Freiberg, einen doppelten Gedenktaler aus Silber auf die Pest. Auf der Vorderseite ist das Bild der ehernen Schlange zu sehen, umgeben von knienden Betern. Die Rückseite zeigt Christus am Kreuz zwischen knienden Personen. Diese Pesttaler, obwohl im Münzgewicht geschlagen, sind jedoch keine Münzen, sondern münzähnliche Gepräge, die zwischen den Großsilbermünzen und der religiösen Prägemedaille stehen. Ab 1527 sind Exemplare mit einer doppelzeiligen Umschrift nachweisbar, die zunächst in erzgebirgischen Prägestätten geschlagen und später, bis in das 17. Jahrhundert hinein, von anderen Werkstätten nachgeahmt wurden. Zunächst bezog die Wissenschaft diese Gepräge auf die in Wittenberg ausgebrochene Pest, später werden sie als geistige Trostmittel bzw. als Amulette ohne direkte lokale Bindung interpretiert. Sie wurden in großen Stückzahlen geschlagen, was die Vielzahl von existierenden Varianten belegt.
Lesen Sie weiter über die Vorbereitungen für das Schmuckkabinett.



