moderne zwei

Die Kunstentwicklung von 1945 bis in die Gegenwart wird in der Ausstellungsbox im Obergeschoss gezeigt. Sie ist über die Galerie zu erreichen ist, auf der auch Lyonel Feiningers Halle-Bilder und die ständig wechselnde Präsentation von Photographien ausgestellt sind. Frei von Stützen und unter dem steilen Trichter eines Oberlichtes ist dieser Raum von betörender Strahlkraft. Der Präsentation ist ein weit gefasster Gegenwartsbegriff zugrunde gelegt, der die Nachkriegsepoche als nachwirkende Vergangenheit mit der unmittelbaren Gegenwart verbindet. Sie umfasst das Schaffen von drei Generationen und ist geprägt von den historischen Einschnitten, die 1949 die Gründung der beiden deutschen Staaten und 1989 die Wende mit sich brachten. Die Konfrontation der Systeme im Kalten Krieg führte auch zu konträren Kunstideologien. So galt die abstrakte Kunst für den Westen als Garant von Freiheit und Demokratie. Nach 1960 erweiterten sich die Begriffe in konzeptionelle, performative und mediale Denkräume. Im Osten Deutschlands wurde eine nationale Gegenposition entwickelt und staatspolitisch als Realismuskonzept verbindlich gesetzt. Dazwischen gab es auf beiden Seiten viele Schattierungen von konservativen und avantgardistischen Lösungen, die den eigentlichen Reichtum der Epoche ausmachen. Diesen Positionen zwischen dem Weitertreiben der Moderne und einer Rückwendung in die Geschichte, die mit Hermann Bachmann und Herbert Kitzel oder Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig namhaft gemacht werden können, sind Werke wie die von Hermann Glöckner oder Einar Schleef an die Seite gestellt, die jenseits der Systemgrenzen Sonderwege beschritten. Ein Außenseiter wie Glöckner wirkte nicht zuletzt durch seine aufrechte künstlerische Gesinnung für die nachfolgende Generation beispielgebend. Dafür stehen die abstrakten und konkreten Werke von Horst Bartnig, Günther Hornig oder Hans Schimansky. Gegenwelten der Lebensrealität treffen in den fotorealistischen Werken von Uwe Pfeifer und den Fotografien einer morbiden Umwelt von Helga Paris und Inge Rambow aufeinander. Diesem historischen Teil begegnen zeitgenössische Ausdrucksformen deutscher und internationaler Kunst, deren Bildwelten aus dem freien Spiel eines längst offenen Kunstbegriffs entstanden sind, so dass etwa die medialen und intellektuellen Konzeptionen von Ulrike Grossarth, Astrid Klein und Jorinde Voigt völlig neue Perspektiven zwischen analytischen Prozessen und virtuellen Wirklichkeiten entwickeln.

Der Zusammenhang zwischen "Moderne Eins" und "Moderne Zwei" bleibt dabei nicht einfach Behauptung. Wer die zeitgenössische Kunst verlässt und auf der Galerie in Richtung Feininger-Empore weitergeht, kann von oben in die Abteilung der "Moderne Eins" hinunterschauen und so noch einmal Revue passieren lassen, welche Hoffnungen und Aufbrüche eingelöst wurden oder zerbrachen, und wie die verschiedenen Etappen eines Jahrhunderts der Modernen zusammenhängen.
Um eine zusätzliche Dimension wird der Weg erweitert durch die auf der Galerie präsentierten Werke zur Geschichte der Photographie, die hier einen Bogen spannt von August Sander und Karl Blossfeldt über El Lissitzky und Alexander Rodtschenko, Man Ray, Hans Bellmer und Hans Finsler zu zeitgenössischen Photographen wie Josef Sudek, Anneliese Hager, Arno Fischer und Evelyn Richter.

Lesen Sie mehr über den außergewöhnlichen Künstler Einar Schleef und seinen Bildernachlass in der Stiftung Moritzburg.

Ausstellungsbox für die Moderne Zwei
Ausstellungsbox für die Moderne Zwei
Moderne Zwei
Moderne Zwei
Blick auf die Moderne Eins, die Präsentation der Photographie auf der Galerie und die eingehängte Ausstellungsbox für die Moderne Zwei
Blick auf die Moderne Eins, die Präsentation der Photographie auf der Galerie und die eingehängte Ausstellungsbox für die Moderne Zwei