Lyonel Feininger und Halle

Über eine Treppe im Bereich der Sammlung Gerlinger oder über das Haupttreppenhaus gelangen Sie auf die Galerie oberhalb der "Moderne Eins", auf die Lyonel-Feininger-Empore.

Grund für die Abtrennung und damit das Herausheben der Halle-Bilder des Bauhausmeisters Lyonel Feininger ist neben der Bedeutung der Bilder vor allem die Geschichte ihrer Entstehung. Die elf großformatigen Gemälde von Halle, begleitet von Zeichnungen, Skizzen und Fotografien, sind seinerzeit auf Betreiben des Museums-Direktors Alois Schardt und im Auftrag des Regierungspräsidiums entstanden. 1926 beauftragt, sind sie 1931 geschlossen von der Stadt Halle für das Museum angekauft worden. Schardt richtete dem Maler im Torturm der Moritzburg ein Atelier ein, in dem Feininger zwischen 1929 und 1931 nach Naturnotizen und Photographien nicht nur ein Gemälde, sondern eine ganze Serie von elf Gemälden schuf, die das Museum zusammen mit 28 ausgeführten Zeichnungen erwarb.

Bis auf wenige Zeichnungen gingen dem Museum all diese Werke aber durch die Aktion "Entartete Kunst" verloren. Was wiederbeschafft oder geliehen werden konnte, ist Erfolg und Erinnerung zugleich an einen einmaligen Fall von öffentlichem Repräsentationswillen und Moderne. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges (1948 u. 1957) gelang der Rückerwerb der beiden Gemälde "Marienkirche mit dem Pfeil" (1930) und "Der Dom zu Halle" (1930). In den 1990er Jahren konnte ein außergewöhnliches, bis dato unbekanntes Konvolut von "Naturnotizen" erworben werden. Außerdem wurde 2009 der verschollen geglaubte "Rote Turm I" (1930) mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Ernst von Siemens-Kunststiftung und des Landes Sachsen-Anhalt zurückgeführt.

Neben den drei Gemälden werden in einer eigens entworfenen Vorlegevitrine einzelne Studien, Zeichnungen und Fotografien, die im Umfeld des Auftrages entstanden, präsentiert. Ein fassadensprengendes Panoramafenster öffnet von der Empore den Blick auf genau jene Motive der Stadt, die Feininger beim Malen im Auge hatte: den Dom, die Marktkirche und den Roten Turm.


Lesen Sie weiter über die Präsentation der Kunst nach 1945 in der Ausstellungsbox der "Moderne Zwei".

Blick von der Feininger-Empore auf den Dom
Lyonel Feininger - Marienkirche mit dem Pfeil - 1930
Lyonel Feininger
Marienkirche mit dem Pfeil, 1930
© VG Bild-Kunst Bonn 2009
Lyonel Feininger - Der Dom in Halle - 1930
Lyonel Feininger
Der Dom in Halle, 1930
© VG Bild-Kunst Bonn 2009
Lyonel Feininger - Marktkirche zur Abendstunde II - 1929
Lyonel Feininger
Marktkirche zur Abendstunde II, 1929
© VG Bild-Kunst Bonn 2009
Lyonel Feininger - Der Rote Turm V - 1929
Lyonel Feininger
Der Rote Turm V, 1929
© VG Bild-Kunst Bonn 2009