Halle: Moritzburg, Neue Residenz, Dom

Für 200 Jahre war Halle Residenz der Erzbischöfe und Administratoren von Magdeburg. Die Moritzburg war der glanzvolle und zugleich politisch gewichtige Mittelpunkt der erzbischöflichen Würde und Macht. Das von Erzbischof Ernst von Sachsen ab 1484 errichtete Bauwerk, dessen Frühzeit nicht zuletzt eng mit „dem Kardinal“ Albrecht von Brandenburg verbunden ist, weist bis heute deutliche Spuren seiner Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg auf.

Mit dem spektakulären Neubau in den alten Mauern durch die Architekten Sobejano und Nieto ist das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt ein authentischer Ort für die Ausstellung. Die Kriegsschäden an der Moritzburg zwangen Herzog August, sich im Komplex der sogenannten Neuen Residenz höfisch einzurichten. Zwischen dieser und der Moritzburg erhebt sich markant der als Hofkirche genutzte Dom. Vor allem über diese drei zentralen Bauten wird Halle auch räumlich als Residenzstadt des 17. Jahrhunderts neu zu entdecken sein. Die monumentale Vierflügelanlage der Moritzburg liegt im Nordwesten der Altstadt an einem Arm der Saale. Als Bollwerk zur Verteidigung der Stadt war sie in deren mittelalterlichen Mauerring einbezogen. Der Bau erfolgte unter Erzbischof Ernst von Wettin zwischen 1484 und 1503 und ist beispielhaft für den Übergang von einer spätmittelalterlichen Burg zum frühneuzeitlichen Schloss. Aufgrund ihrer strategischen Bedeutung wurde die Moritzburg im Dreißigjährigen Krieg mehrfach Ziel militärischer Operationen. So besetzte zunächst Wallenstein 1625 die Stadt und die Moritzburg für die Partei des Kaisers. Nach der Niederlage in der Schlacht bei Breitenfeld 1631 zog sich der Heerführer der Katholischen Liga, Tilly, in der Moritzburg zurück. Im September 1631 konnte der Schwedische König Gustav Adolf die Stadt und die Moritzburg für längere Zeit besetzen. Bei einer erneuten Belagerung durch die Schweden brach am 6. Januar 1637 ein Feuer aus. Die oberen Stockwerke der West- und Nordseite sowie die Kapelle wurden dabei zerstört und die Besatzung kapitulierte. Im März 1639 sprengten sächsische Truppen die Südwest-Bastion, um die nunmehr schwedische Besatzung zur Aufgabe zu zwingen. Diese Zerstörungen erlaubten Herzog August in der Folge nur eine provisorische Nutzung. Die Moritzburg blieb über Jahrhunderte Ruine, unter anderem blieb ein von Karl Friedrich Schinkel 1829 erarbeitetes umfangreiches Konzept zum Auf- und Ausbau zugunsten der Universität unverwirklicht. Zur fürstlichen Wohnung wurde deshalb die Neue Residenz. Sie wurde unter Kardinal Albrecht von Brandenburg an der Stelle des Hospitals St. Cyriakus zwischen 1531 und 1539 als New Gebew errichtet. Mit ihrer ehemals prächtigen Fassade über der Saale und den hofseitigen Arkaden ist sie ein Kleinod der deutschen Frührenaissance. Als Baumeister sind mit Andreas Günther und Bastian Binder zwei ihrer bedeutenden Protagonisten nachgewiesen. Ab 1545 residierten dort die Magdeburger Erzbischöfe bzw. Administratoren. Eine erneute Blütezeit erlebte die Anlage von 1644 bis 1680 unter Herzog August von Sachsen. Auf ihn geht auch die Bezeichnung „Neue Residenz“ zurück, die den Bau von der östlich nahegelegenen „Alten Residenz“ unterscheiden sollte. August entfaltete hier eine repräsentative Hofhaltung. Die Neue Residenz war nicht zuletzt Spielstätte der ersten deutschen Oper im Frühbarock und machte Halle zur bedeutenden Opernstadt. Das architektonische Bindeglied zwischen Moritzburg und Neuer Residenz sowie das religiöse Zentrum des Residenzbezirks bildet der Dom. Der über dem Mühlgraben markant aufragende Bau wurde ursprünglich als Klosterkirche der Dominikaner nach 1270 begonnen. Seine hochgotische Architektur wurde im Zuge einer nahezu beispiellosen Aufwertung der Kirche durch Kardinal Albrecht von Brandenburg im Stil der Frührenaissance subtil gesteigert. Besonders die sogenannten Welschen Giebel prägen seitdem das äußere Erscheinungsbild. Das Kloster war 1519/20 durch Albrecht zum „Neuen Stift“ umgewandelt und die Kollegiatstiftsirche zur zweithöchsten der Diözese nach dem Magdeburger Dom erhoben worden. Ihre überaus reiche Ausstattung diente nicht zuletzt als prunkvolle Hülle zur Verwahrung und Inszenierung des Halleschen Heiltums, der umfangreichen Reliquiensammlung Albrechts von Brandenburg. Nach Aufhebung des Stifts 1541 war die Kirche bis 1561 wieder im Besitz des Predigerordens. In der Folge wurde sie unter anderem kurzzeitig als evangelische Dom- und Schlosskirche genutzt. August von Sachsen eröffnet die Kirche 1644 nach längerem Leerstand neu und lässt sie zur barocken Hofkirche ausgestalten. Davon zeugt vor allem die 1662 gestiftete Altarschauwand, die auf einem hohen Steinsockel in vier Geschossen bis zum Gewölbe aufragt. In ihrem dreiteiligen Hauptgeschoss ist sie gleichsam leitmotivisch von Palmsäulen umgrenzt. Im Zentrum sind übereinander mit dem Abendmahl, Christus am Ölberg und dem Auferstandenen drei qualitätvolle Gemälde angeordnet, deren Autorschaft jüngst Benjamin Blok zugewiesen wurde. Teil der Komposition ist auch die Stifterfamilie, die zu beiden Seiten des Abendmals in ganzfiguriger Reihung dargestellt ist: links Herzog August mit den Söhnen, rechts Herzogin Anna Maria und die Töchter. Auch die Orgelempore, der Fürstenstuhl und figürliche Epitaphien belegen den hohen Anspruch der barocken Ausstattung.