Mitteilung
Rückkehr: Lyonel Feininger Roter Turm
Mehr als 70 Jahre nach seiner Beschlagnahme in der Aktion „Entartete Kunst“ kehrt das Gemälde Roter Turm I von Lyonel Feininger nach Halle in die Moritzburg zurück. Es gehört zur Serie der Halle-Bilder, die in elf Gemälden ein ebenso faszinierendes wie ungewöhnliches Portrait der Saalestadt festhält. Die Halle-Bilder sind mit der Moritzburg auf besondere Weise verbunden, denn der Torturm der Burg diente dem Künstler von 1929 bis 1931 als Atelier: Dort entstand die weltberühmte Serie, die seinerzeit geschlossen angekauft wurde.
Für Museumsdirektorin Katja Schneider ist diese Rückerwerbung „eine Sensation und eine einzigartige Stärkung der Sammlung der Stiftung Moritzburg“. Kehrt mit dem Gemälde doch eine Ikone der Museumsgeschichte nach Halle zurück. Jetzt sind alle drei Motive, die Feininger in dem Zyklus der Halle-Bilder festgehalten hat – die Marktkirche, der Dom und der Rote Turm – wieder im Museum vertreten. Zusammen mit den Gemälden Marienkirche mit dem Pfeil (1930) und Der Dom von Halle (1931) wird der Rote Turm I als drittes Wahrzeichen der Stadt nun auf der so genannten Feininger-Empore im neuen Erweiterungsbau der Moritzburg zu sehen sein.
„Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, den ‚Roten Turm I’ nach so langer Zeit den Bürgern und Besuchern Halles wieder an seinem Entstehungsort zeigen zu können. Für die Kulturstiftung der Länder sind – auch wenn wie in diesem Fall dafür lange und komplexe Verhandlungen nötig waren – gerade die Rückführungen von wertvollen Kunstwerken in ihre angestammten Sammlungen die schönsten Förderungen. Ein seltener Glücksfall“, so Isabel Pfeiffer-Poensgen, die Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder.
Die elf Gemälde der Halle-Serie gelten als Höhepunkte von Feiningers Wirken in Deutschland. Sie gehörten bis 1937 zum Bestand des Kunstmuseums in der Moritzburg, dann fielen sie der Aktion „Entartete Kunst“ zum Opfer, wurden beschlagnahmt und weiterverkauft. Nur zwei Gemälde konnten 1948 und 1957 in die Moritzburg zurückgeholt werden, eines wurde im Krieg zerstört, die anderen sieben zählen inzwischen zum Bestand renommierter deutscher Museen. In den 1950er Jahren wurden sieben offenbar absichtsvoll versteckte Kohlezeichnungen der Serie im Grafischen Kabinett der Moritzburg aufgefunden. 1995 konnte ein Skizzenbuch mit insgesamt 49 Naturnotizen und Kohleskizzen zu den Halle-Bildern aus dem Kunsthandel erworben werden. Damit kann die
Genese der Bilder in der Dauerausstellung der Moritzburg von der ersten Skizze bis zum fertigen Gemälde eindrucksvoll nachvollzogen werden.
„Mit dem Rückerwerb des ‚Roten Turms I’ wird eine schmerzliche Wunde geheilt, die dem Museum durch die Nazi-Aktion ‚Entartete Kunst’ zugefügt worden ist“, so der Kultusminister Sachsen-Anhalts und Vorsitzende des Stiftungsrates der Moritzburg, Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz. “Ich freue mich deshalb sehr, dass uns dieser Rückerwerb geglückt ist. Viele waren daran beteiligt, u.a. die Hamburger Kultursenatorin Karin v. Welck, der ich für ihren persönlichen Einsatz bei der Sicherung des Gemäldes herzlich danke“, sagte Olbertz.
Claus Friedrich Holtmann, Vorstandsvorsitzender der Ostdeutschen Sparkassenstiftung: „Bei uns 'feiningert' es dieses Jahr in hohem Maße. Unsere Beteiligung am Rückerwerb des ‚Roten Turms I', in die auch die Saalesparkasse eingebunden ist, knüpft nahtlos an unser Engagement für die jetzt laufenden Feininger-Ausstellungen in Halle und Quedlinburg an. Die Bauhausjahre Feiningers in Sachsen-Anhalt haben bedeutende Werke hervorgebracht, die wir für die mittel- und ostdeutschen Museen gerne sichern – unser Anliegen auch für die Zukunft.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Spur des Gemäldes Roter
Turm I verloren, es galt seitdem als verschollen, bis es im Frühjahr 2006 bei einer Auktion von Hauswedell & Nolte in Hamburg auftauchte. Die Rückführung des Gemäldes in die Moritzburg ist unter der Verhandlungsführung der Kulturstiftung der Länder vorbereitet worden. Nach langwierigen Verhandlungen konnte der Ankauf für die Stiftung Moritzburg erfolgreich abgeschlossen werden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Es war sehr hilfreich, dass es den beteiligten Stiftungen möglich war, ihre Finanzierungszusagen über mehrere Jahre aufrecht zu erhalten.
Der Rückerwerb wird durch die Kulturstiftung der Länder, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Saalesparkasse, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die zusätzlich die Vorfinanzierung sicherte, und das Land Sachsen-Anhalt ermöglicht.
Weiterführende Informationen finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Arsproto 3/2009 oder unter www.kulturstiftung.de/publikationen/arsprototo/.







